Lebt er noch?

 Wie gehts eigentlich meinem Diesel? Lebt er noch?

Mathias Zeuner Läuft

Sie erinnern sich: Seit nunmehr gut einem Jahr betanke ich meinen X3 M40d konsequent mit HVO100. Zu Beginn war ich, waren wir alle, gespannt, nach wie vielen Kilometern mir das Aggregat B57 um die Ohren fliegen würde. Nichts. Fährt einwandfrei, seidenweich. Dreht ohne Murren bis in den Begrenzer. Ja den gibts tatsächlich noch, auch wenn man das nicht glauben wollte. Ist halt eine elektronische Drehzahlbegrenzung. Kein Fliehkraftgewicht im Verteiler wie weiland beim 1802. Ach, das waren noch Zeiten.

Nicht schlecht

Heute emittiere ich mit meinem HVO-Hobel etwa 2,5 kg Kohlenstoffdioxid (CO2) alle gefahrenen 100 km in die Atmosphäre. Siehe Quellen unten. Weniger schafft auch ein mich transportierender ICE nicht (2,6 kg). Die Straßenbahn haut mehr raus (4,3 kg). Eine vergleichbare Seltene-Erden-Apotheke, vulgo "E-Auto" verursacht bei ähnlicher Konstitution und deutschem, zugegeben bescheuerten, Strommix etwa 6 kg CO2 Emissionen. Würde ich fossilen Diesel tanken wäre es etwa 22 kg. Ich stoße also beim Autofahren im Vergleich zu einem normalen Diesel gut 85 Prozent weniger CO2 aus. Im Vergleich zum E-Auto immer noch 50 Prozent weniger. Nicht schlecht. Wenn Sie 100 km mit dem Fahrrad zurücklegen, produzieren Sie übrigens auch nicht null CO2 sondern etwa 0,5 kg zusätzlich zu dem, das Ihr Körper ohnehin in die Atmosphäre entlässt. Solange Sie atmen und Sauerstoff metabolisieren. Man sagt auch: Leben.

Ja, diese Zahlen hab ich nicht selbst gemessen. Es sind Literaturangaben, Annahmen, Mittelwerte und Schätzungen, aufgelistet unten in den Quellenangaben. Aber genau das passiert ja auch bei der Bewertung der Frage, wie man dem Problem sinnvoll begegnen könnte. Ich bin gespannt, wer mir wie vorrechnet, wie er mit weniger CO2-Emissionen mobil ist. Wer mir erklärt, dass man alle anderen Technologien außer der, die Elon Musk in seine Autos einbaut, verbieten müßte, um den Planten zu retten. Wer mir wie erklärt, dass man auf einer Konferenz die globale Temperatur auf dezimale Grad Kelvin festlegen könnte und damit die Welt retten würde. Der mir erklärt, warum das mehr als nur Kosmetik ist, um seelenberuhigt in den Urlaub fliegen zu können. Semantik spielt eine Rolle.

Ausschnitt aus meinem letzten TÜV Untersuchungsbericht. Kein Witz: Mein Motor saugt mehr Partikel an, als er ausstößt.

Klar ist: Mein Biturbo Sechszylinder läuft mit HVO100 einwandfrei. Er nagelt nicht, springt bei jedem Wetter sofort an, fährt mit ner Tankfüllung hydratisiertem Frittenfett locker 800 km durch die Gegend und hat dabei, laut TÜV Prüfung, einen extrem geringen Rußpartikel-Ausstoß von 800 cm-3. Das sind 0,32 Prozent (!) des erlaubten Grenzwerts. Saubere Landluft hat etwa 2.000. Es ist kein Witz: Die Abgase meines Diesels enthalten weniger Staubpartikel als die angesaugte Luft. Und, sehr wichtig um die zahlreichen Neo-Tachophoben überholen zu können: Er beschleunigt ordentlich und ist schnell. Man kann also sehr einfach seinen Beitrag leisten.

Schlecht

Warum erzähle ich das? Zunächst der übliche Disclaimer: Ja, wir haben ein CO2 Problem. Welches zu leugnen albern ist. Dass zu ignorieren dämlich wäre. Aber mindestens genauso dämlich wäre es, die Komplexität des Problems zu ignorieren. Wir sind nicht allein auf der Welt. Der menschliche Wohlstand konkurriert mit unseren Körpern um die Zusammensetzung der Atmosphäre der Erde. 

Alle FDPler fahren Porsche, das wissen Sie. Außer mir. Ich bin schlimmer. Ich versuche mich dem globalen Emissionsproblem aus einer Perspektive der toxischen Männlichkeit zu nähern. Immerhin: Gibt bestimmt 4 Milliarden Menschen, die den abgebildeten Wagen aus dem Stellantis-Konzern gut finden. Ich hab ihn verkauft.

Das ist kein kleines Problem. Wenn man nicht auf seine gasförmigen Absonderungen achtet, kann es einem schnell ergehen, wie den Cyanobakterien vor dem "Great Oxidation Event" (GOE) vor 2,4 Milliarden Jahren: Die haben damals mit ihrer fleißigen O2-Produktion so gut wie alles Leben auf der Erde ausgelöscht. Das ist schlecht. Passiert aber relativ häufig, erdgeschichtlich betrachtet. Nicht dass ich es den Bakterien nachmachen wollte. Aber: Mit Albernheiten kommen wir nicht weiter. Oder glauben Sie, die Cyanobakterien hätten ihren Hintern retten können, in dem sie in einem winzigen Abschnitt der frühen Erde mehr Fahrrad gefahren wären? Anderen das Heizen verboten hätten? Gut, auch Frittenfett hätte sie nicht gerettet. 

Trotzdem fordere ich mehr Ernsthaftigkeit in der Debatte. Es vergeht kaum ein Tag, bei dem mir nicht ein geradezu religiöser E-Bekehrungseifer in den Medien begegnet. E-dies, E-das, sonst werden wir alle sterben. Gerne auch mal mit katastrophalen Rechenfehlern. Mit erstaunlicher Naivität gegenüber der Frage, was Wissenschaft  ist, kann – und was nicht. Cem Özdemir etwa, ehemaliger Grüner in Baden-Württemberg, lehnt sich da ganz weit aus dem Fenster. Ich mache ja selbst mit. Verwandle extraterrestrisch – atomare Fusionsenergie in haushaltsüblichen Strom. Zusammen mit meiner geschrumpften Mobilitäts-CO2-Emission reduziert sich damit mein ökologisdcher Fußabdruck deutlich.

Dazu passend hat die EU selbstverständlich einen passenden grausamen Homunkulus geschaffen. Er besteht aus vielen Verordnungen, eine davon ist die EU-Verordnung (EU) 2019/631. Vulgo Verbrennerverbot. Natürlich nennen die EU und die CDU, die eisern daran festhält, das Technologieverbot nicht so. Anders. Aktuell sieht das Integral wohl so aus, dass man politisch bei Bedarf sagen kann, es gäbe gar kein Verbot. Andererseits mit einer Flottenquote von 90 Prozent E-Autos wohl genau das die Gesetzeslage ist. Auch wenn Ihnen Söder was anderes erzählt.

Gut

Was soll das? Es ist gut, wichtig, richtig, dass wir weiter an der E-Mobilität arbeiten und forschen. Es ist gut, dass E-Autos immer besser werden, die Ladeinfrastruktur ausgebaut wird. Aber muss man deswegen hysterisch werden? Den Blick für die Realität, das Machbare verlieren? Der Punkt ist: Es gibt nicht DEN EINEN WEG zur Reduzierung des CO2 Anteils in der globalen Atmosphäre. Und ohne R&D, ohne Wissenschaft und Technik geht es überhaupt nicht. Es sei denn man will ins Neandertal zurück. Aber da haben die meisten der acht Milliarden Menschen auf dem Globus was dagegen, wette ich. Ein paar deutsche Spießer hätten das gerne, ja. Aber das nützt nichts. Es stimmt, wir haben gegenüber den Cyanobakterien einen evolutionären Vorteil. Eine einzigartige Mutation. Die übrigens ja auch Schuld an der steigenden CO2 Konzentration ist. Die uns aber in die Lage versetzen könnte, was anderes als kollektiven Selbstmord zu betreiben. Wir sollten die Chance nutzen und uns weiter entwickeln. Nicht zurück. 

Um die Frage zu beantworten: Ja, er lebt noch. Er erfreut sich bester Gesundheit. Und fährt klimaschonend in eine, zwar unsichere, aber auch chancenreiche Zukunft.

Quellen / Links

CO2 Emissionen
BMW X3 M40d (Diesel): WLTP kombiniert 7,1 l/100 km (ADAC-Datenblatt).
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/autokatalog/marken-modelle/bmw/x3/g01-f97-facelift/333412/
CO₂ am Auspuff (Tank-to-Wheel) pro Liter Diesel: 2,65 kg CO₂/l (UBA).
https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/publikation/long/3705.pdf
Vorkette Diesel (Well-to-Tank) grob: 0,47 kg CO₂e/l (gängiger Richtwert)
HVO100: THG-Minderungspotenzial >90% (bilanziell, über den Lebenszyklus – abhängig von Rohstoff/Herstellung).
Strommix Deutschland: 363 g CO₂/kWh (2024, UBA; letzter veröffentlichter Jahreswert).
https://www.umweltbundesamt.de/themen/co2-emissionen-pro-kilowattstunde-strom-2024
Vergleichs-E-Auto (nah dran an „Gewicht/Leistung/Reichweite“ im SUV-Format): BMW iX3 50 xDrive, WLTP 15,1–17,9 kWh/100 km.
Das Umweltbundesamt gibt für Deutschland (TREMOD, Stand 10/2025) folgende Durchschnittswerte an:
https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/366/bilder/dateien/vtv_2024_pv_tab_pdf.pdf

Zusatz-Energie beim Radfahren
In der Sportphysiologie wird Intensität oft als MET angegeben.
Ruhe ≈ 1 MET
Radfahren <10 mph (~<16 km/h) ≈ 4,0 MET
Pendeln / selbstgewähltes Tempo ≈ 6,8 MET
Kalorienformel:
kcal≈(MET−1)⋅kg⋅Stunden
Kalorien → CO₂
Grob gilt: 1 Liter O₂ ≈ ~5 kcal
Bei gemischter Ernährung ist der RQ typischerweise ~0,8 (CO₂/O₂)
Damit:
VO₂ ≈ kcal/5 (Liter O₂)
VCO₂ ≈ 0,8·(kcal/5) = 0,16 L CO₂ pro kcal
Und 1 mol ideales Gas hat bei STP ~22,414 L; daraus folgt für CO₂ grob ~1,96 g/L (44 g/mol ÷ 22,414 L/mol).
→ CO₂-Masse pro kcal:
0,16 L/kcal×1,96 g/L≈0,31 g CO₂/kcal
Beispielrechnung: 75 kg Person, 100 km bei 20 km/h
100 km bei 20 km/h = 5 Stunden.
Fall A: „Pendeln / zügig“ (6,8 MET)
Zusatz-kcal = (6,8−1)·75·5 = 2.175 kcal
Zusatz-CO₂ ≈ 2.175·0,31 = ~675 g CO₂ pro 100 km
Fall B: „gemütlich“ (4,0 MET)
Zusatz-kcal = (4−1)·75·5 = 1.125 kcal
Zusatz-CO₂ ≈ 1.125·0,31 = ~350 g CO₂ pro 100 km
Ergebnis als Faustbereich (75 kg, 100 km):
➡️ ~0,35 bis ~0,7 kg CO₂ zusätzlich

Andere Links
Shell: Ha! Denen kann doch nicht trauen! Die lügen doch!
Mathias Zeuner in flagranti beim Verstoß gegen die Gesetze der Thermodynamik. Also, die, die Cem Özdemir zu kennen glaubt.
https://mathias-zeuner.wahl.freie-demokraten.de/gangster
Wikipedia: GOE - Wieso ist er CO2 Gehalt der Atmosphäre eigentlich so niedrig?
Mathias Zeuner: Bescheuert
Professor mit Rechenschwäche
FDP BW: Kennen Sie mich?
Süddeutsche
EU: Was ist das? Ein weiterer EU- Homunkulus in Gesetzesform. Look and Feel: Technologieverbot und Neanderthal
 EU-Verordnung (EU) 2019/631

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Going down?