Streckensperrung im AfD Land
Motorradfahren ist mehr als nur Fortbewegung.
Es ist ein Lebensgefühl. Es ist Meditation und Philosophie. Die Maschine mehr als nur die Summe ihrer Einzelteile, die Straße mehr als nur ein Weg durch die Landschaft. Man muss nicht Pirsigs Buch gelesen haben, um das erleben zu können. Es überkommt einen wie eine Krankheit. Ja, ich habe den Begriff bewusst gewählt – denn man ist dem Tod oft näher als dem Leben beim Fahren. Es ist zu kalt, zu warm, zu nass oder zu trocken. Zu gefährlich. Irgendwas is immer. Das gehört dazu. Und das gefällt nicht jedem.
Liberale Biker
Übrigens: Ich habe den Gedankenstrich bewußt typografisch korrekt als Halbgeviertstrich ausgewählt. Inzwischen geht die KI-Paranoia ja schon so weit, dass behauptet wird, so penibel wäre nur ChatGPT. Und damit wäre die Verwendung des Unicodes U+2013 ein sicheres Zeichen für Urheberschaftsleugnung. Das ist natürlich Quatsch. Aber bildungspolitisch ein sehr spannender Gedanke – (Ja, das ist er schon wieder!) wenn korrekte Typografie ein Zeichen für KI-Autorenschaft ist – dann vielleicht auch korrekte Orthografie? Grammatik? Vollständige Sätze? Was sind dann in Zukunft die Merkmale für menschliche Urheberschaft von Texten? Ourewellerisch?
Ich schweife ab. Das macht die KI übrigens nicht. Die Liberalen Biker auch nicht. Wir versuchen die Freiheit der Wahl des eigenen Fortbewegungsmittels zu erhalten – auch die Freiheit, dafür das motorgetriebene Zweirad nutzen zu können. Das ist nicht einfach. Es gibt Widerstand gegen das Motorradfahren. Und ehrlich: Obwohl ich mich zusammen mit meinem Motorrad dereinst beerdigen lassen werde – ich verstehe es, wenn man genervt ist von Scharen knatternder und röhrender mittelalter Easy Rider. Die ja gerne eben dort auftauchen, wo andere gerne mal sonntagsnachmittags in Ruhe ein Käffchen trinken wollen.
Wichtiger denn je
Aber: Es gibt in Deutschland aktuell bis zu 300 permanente oder temporäre Streckensperrungen für Motorräder. Dazu kommen noch selektive Geschwindigkeitsreduzierungen für Motorräder. Das ist – kurz gesagt – eine Sauerei. Insbesondere dann, wenn kein Dialog mit den Betroffenen, den Ausgesperrten stattfindet.
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| Ja, ja – ich hab die Chucks nur zum Fototermin an |
Bitte: Das Sicherheitsargument, der angebliche Schutz der Motorradfahrer vor sich selbst wirkt doch reichlich heuchlerisch. Vorgeschoben. Wir sind erwachsen. Und: Solange es kilometerweise messerscharfe Leitplankenpfosten an deutschen Straßen gibt, die Zweiradfahrer post-lapsum in zwei Hälften teilen, brauch mir keiner was vorzuhalluzinieren, es wäre Ausdruck staatlicher Fürsorge wenn ich auf der Straße nach Heiligenkreuzsteinach nur 50 fahren dürfte. Natürlich in Protektorenkombi und Motorradstiefeln – während ich auf der abschüssigen Landstraße von Radfahrern in kurzen Hosen und Hemdchen überholt werde. Ich meine – Respekt, für die Buben und Mädel, die sich sowas trauen. Wenn das Reifchen dann platzt siehts schlecht aus für Epi- und Hypodermis. Und natürlich für die Knochen, wenn das nackte Radler-Bein vom Staatspfosten auf- bis abgerissen wird. Kein Zwangsschutz für motorlose Zweiradfahrer?
Klar, die Anwohnerbelästigung ist ein valides Argument. Da muss man gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn – die Duc darf nicht, aber der Lotus schon? Der 911er mit Klappenauspuff darf wie ein Hirsch röhrend durchs Tal knallen, die praktisch unhörbare CBR 300 nicht? Wie kann das sinnvoll sein? Wo ist das gerecht? Wo fair? Es ist genau das: Diskriminierung von Bikern. Und, eins ist natürlich klar: Offen ein Verbot von Motorrädern oder des Motorradfahrens zu fordern, so wie einst der Vorsitzende der Jungen Union und spätere Ministerpräsident Günther Öttinger in Baden Württemberg – das traut sich heute kein Politiker mehr. Wozu auch – die modernen Öttingers, die Özdemirs machen das scheibchenweise.
Sonneberg or die
Also bis jetzt. Denn: Wir sehen ja einer Mehrheitsregierung der vereinigten autoritären Dorftrottel entgegen. Viele blaue Herzchen. Demokratischer Ausgleich ist ja nicht so deren Stärke, wie man hört. Deswegen fahren wir – die Liberalen Biker – in den Landkreis Sonneberg in Thüringen. Der dortige AfD-Landrat Robert Sesselmann, der sich selbst für das "blaue Wunder von Sonneberg" hält (blaues Herzchen, tränenlachender Smiley), ist noch nicht lange im Amt. Und hat gleich mal eine Strecke für Motorradfahrer gesperrt. Naaatüüürlich – nur zum besten der Motorradfahrer. Das passt so gar nicht zum Selbstbild der Thüringer Rechtsautoritären. Deren geistiger Führer Höcke sich ja selbst gerne mal ohne Helm auf dem Mopped durch die bundesöstliche Walachhei knattern sieht.
Klar, Sesselmann hat weder die Streckensperrung für Motorräder erfunden. Noch die in Sonneberg. Bubi hat nur brav das fortgeführt, was die "Altparteien" angefangen haben. Aber: Er hat verboten, verschärft und ausgeweitet. Bevormundet ohne zu reden. Aus Sicht der Freunde Putins ist das natürlich bachvollziehbar. Wer braucht schon Freiheit, wenn man an Wunder glaubt.
Ich tue das nicht. Deswegen nehme ich das Risiko in Kauf, mit weißen Chucks auf der Duc als Boomer erkannt zu werden. Biker brauchen Freiheit. Und Dialog.
Gelbes Herzchen.
Quellen / Links
Philosophie
Immer is irgendwas
Typografie
Lingusitik
Liberale
Via Clausa
Nix gelernt
Blaues Herzchen
Ein Wunder
Faschisten dürfen in Thüringen alles
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