Bull-Bullet Ricochets

War Charlie Walser Liberaler? Es sieht fast so aus. 


 Genau wie er hat die Freie Demokratie in Deutschland gerne mal viel beef mit großem Beef. Und das ist gefährlich, selbst für den routinierten Rinderfarmer.
Manchmal hat man es nicht selbst in der Hand. Manchmal prallt die Kugel ab und man schießt sich selbst in die Schulter. Collien Fernandes wird wissen, wovon ich rede. Ja, ja, ihr Ex-Mann und die FDP auch. Sowas passiert zum Beispiel, wenn man nicht auf ein sich änderndes Umfeld achtet.

Was hat sich geändert?

Ich kann für mich sagen: leider nichts. Weder ist mir der politische Wunsch nach sinkender Belastung durch einen übergriffigen Staat abhanden gekommen. Der Wunsch, vom Staat ernst genommen zu werden, schlicht öfter mal in Ruhe gelassen zu werden. Der Wunsch nach einer Regierung, die nicht jedem albernen Medien-Alarmismus hinterherrennt. Der Wunsch nach gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Freiheit in Deutschland. Noch ist es abzusehen, dass sich in dieser Richtung politisch etwas bewegt – im Gegenteil. Der Nanny-Staat, von wenigen, aber von denen dafür lautstark herbeigeschrien, ist übergriffiger denn je. Steuererleichterung? Maßvolles staatliches Haushalten? Bürokratiereduzierung? So weit weg, wie seit Merkel nicht mehr. Das Rentensystem ist tot, die Krankenkassenkosten explodieren, genauso wie die Staatsschulden. Die Wirtschaft stöhnt unter Bürokratiekosten. Was macht die Regierung? Diskutiert über Mehrwertsteuererhöhung, Abschaffung des Ehegattensplittings und Anhebung des "Spitzen"steuersatzes, der ja dank langjährigem Ignorierens der Forderung der FDP zur Abschaffung der kalten Progression längst der Steuersatz des Mittelstands ist. Die soziale Marktwirtschaft ist perdu, wir leben im Bürokratiesozialismus. Dafür feiert der Rechts/Links - Populismus Erfolge, als hätte plötzlich die Hälfte der deutschen Bevölkerung den Verstand verloren. Auf einmal matters Politik.

Wut

Was hat das mit der Parabel vom Rinderschlächter zu tun? Nun, wenn man sich mit einem wütenden 300 kg Bullen anlegt, dann kann das schnell den eigenen Tod bedeuten. Der Schuss kann nach hinten losgehen. So, wie bei der FDP.

Nun wird ein texanischer Rinderfarmer östlich von Sanderson im US-amerikanischen Sinne kaum als Liberaler wahrgenommen werden. Schon eher im deutschen. Die politische Abgrenzung verläuft dort entlang gänzlich anders gezogener Demarkationslinien. Es gibt ihn ja auch überhaupt nur als Erfindung des erfundenen Sheriffs Ed Tom Bell. Und dennoch: Auch in Deutschland ist der Liberale vom politischen Tod bedroht, weil er von Linken als reaktionär und von den Reaktionären als Linker wahrgenommen wird. Also analog zum Texaner unabhängig sein will, vom Bullshit. Die Botschaft, das Bild ist real: "Egal, wie gut du mit den Gefahren des Lebens umgehen kannst. Es kann dich immer erwischen". Politisch gesehen: "Es reicht nicht, das Beste zu wollen. Man muss auch die Lage richtig einschätzen. Wahrnehmung, Timing, Kontext. Und selbst dann kann man noch verlieren, wenn der Bulle um sich tritt."

Kurioserweise bedeutet das aktuell, dass diejenigen, die von der plebiszitären Demokratie überzeugt sind, die für den Bullen kämpfen, vom Aussterben bedroht sind. Diejenigen, die dem Bürger, jedem Bürger, die Vernunft zugestehen, verantwortungsvoll fürs eigene Land zu handeln, begehen gerade politischen Selbstmord. Der Bulle ist wütend, ja blind vor Wut und will nichts mehr hören von Pluralismus und Demokratie. Die harte Hand soll es richten. 

Natürlich: von nichts kommt nichts. Der Bulle ist nicht ganz zu Unrecht sauer. Wer hätte nicht die Schnauze voll davon, medial-politisch nur noch als Melkkuh, als Schlachtvieh betrachtet zu werden. Nicht nur monetär, ist derjenige, der das "normale" Leben lebt, der Dumme. Findet politisch weder Beachtung noch statt. Zumindest gefühlt. Der politische Erfolg des Populismus in den USA ist durchaus vergleichbar mit der Situation in Deutschland. Selbst halbwegs Vernunftbegabte wählen Trump, weil ihnen alles lieber ist, als schon wieder von einem einem uninspirierten Bürokraten regiert zu werden. Bitte nicht von irgendwas, das sich selbst "woke" findet, virtuell Unterdrückter*Innen oder sonstig befindlich ist, aber eben nicht in der Lage, einfach mal die Steuern zu senken. 

und Tod

Nichts Neues. Und, so wie der angelsächsische Barde Williams (Schüttel) es einst im Lied ausdrückte, so fühle ich auch: "I'm not scared of dying, I just don't want to". Auch politisch. Ich akzeptiere den Niedergang der Wählerakzeptanz der Freien Demokratie in Deutschland. Ich bin ja überzeugter Demokrat, wie könnte ich also was anderes fühlen, als eben Respekt vor der Wählerentscheidung. Das ändert nichts an meiner politischen Überzeugung. Nichts daran, dass ich die politische Entwicklung im Land für falsch halte. Nichts daran, dass ich dafür kämpfe, die politische Sicht wieder in eine andere Richtung zu leiten. Gegen die unsägliche "Politik-ist-ein-Fußballspiel" Verkürzung anschreibe. Wenn schon, dann ein MotoGP Rennen - da gibts Punkte bis Platz 15.

Ist in dieser Situation nun der Rücktritt des FDP-Bundesvorstands ein Schuss ins eigene Knie, die unerwartet vom Bullen abgeprallte Kugel oder der richtige Schritt? 

Knieschuss?

Klar, Personen sind wichtig im politischen Geschäft. Werden im Zeitalter der sozialen Medien immer wichtiger. Aber die Freien Demokraten, werden nicht nicht gewählt, weil Dürr Fehler gemacht hätte. Oder weil Kubicki bekannter ist. Sie werden auch nicht deshalb nicht gewählt, weil die Ideen für die sie stehen, auf einmal falsch geworden wären. Sie stehen einfach zwischen dem Bullen und Charlie Walser. Das ist für die beiden Protagonisten lebensgefährlich. Die Volksseele kocht und die politische Situation wird von den beiden relevanten politischen Kräften aktuell, nämlich der CDU und der AfD, bewusst auf einen Boxkampf reduziert. Einen Stierkampf wenn man will. Auf jeden Fall auf einen Wettstreit mit einem Gewinner und einem Verlierer. Und jeder weiß - bei der demokratischen Wahl gibt es weder Gewinner noch Verlierer - es gibt nur die Meinung des Souveräns, des Volkes. Die, die da streiten, streiten sich darum, dem Herrscher, uns, dienen zu dürfen. Diener der Bürger sein zu dürfen. 

Aber bitte, wenn sie wollen, ist das ja ok. Und, Duelle sind beliebt. Links gegen Rechts, Klimaheilige gegen Klimasünder, Monotheisten gegen Autokratenfreunde, egal. Hauptsache es gibt einen Kampf und Gewinner und Verlierer. Da stört die FDP aktuell nur. 

Aber

Selbstverständlich hat die Parabel auch eine Erkenntnis für die innerparteiliche Auseinandersetzung mit der Krise der Freien Demokratie in Deutschland parat. Wir haben den Bullen orientierungslos zurückgelassen. Wir haben Fehler gemacht. Was nun? Flucht nach rechts? Zurück zu Walter Scheel? Ist die Rechts/Links-Debatte die dem politischen Liberalismus emergente? Eine rhetorische Frage. Rhetorik ist des Pudels Kern - aber, der politische Großkampf, der gerade geführt wird, ist nicht der der Liberalen. Warten wir ab, ob sich die Heilsversprechen der aktuell Versprechenden erfüllen. Das tun sie natürlich nicht. Warum sollte Politik auf einmal so einfach sein? Sie ist es nicht. Es hat sich nichts geändert. 

Es gibt Filme, da läuft alles so, wie wir es erwarten. Wie wir es erhoffen. Und es gibt die, die von Wahrheiten erzählen. In letzteren erwischt es die, die normalerweise immer verschont werden: Den sympathischen Killer mit Gewissen, den "Wir-Alle" Helden, den vermeintlichen Underdog, der sich als schlau, gewieft und stark herausstellt, genauso wie seine unschuldige und loyale Frau. Die Coen-Brüder töten sie alle. 

Mit dem Leben davon kommen der Psychopath und der Desillusionierte. Denn: Es muss weitergehen und es wird weitergehen. Ob es ihnen gefällt oder nicht. Die Liberalen werden da sein.

Quellen / Links

Coen-Brüder: "No country for old men" - Script
TAZ: Gröhl"
MZ: Freiheit
FDP: Soziale Marktwirtschaft
MZ: Freiheit
ZDF: Albern
MZ: Schüttel
MZ: Besser
MZ: Professor

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