WM-Farben

Es ist wieder WM. Und natürlich geht die Flaggendiskussion wieder los.


 Ich bin kein großer Fußballfan. Kenner schon gar nicht. Aber ich bin treuer Zuschauer internationaler Fußballevents. Und natürlich ist "mein Team" die deutsche Nationalmannschaft. Ohne tieferen Grund, einfach so. Weil ich Deutscher bin. 

Hoheit

Ich bin auch politisch interessierter Deutscher. Und als Liberaler natürlich verbunden mit den Farben der deutschen Demokratie und Freiheit. Der demokratischen Revolution von 1848 und dem ersten Parlament in der Paulskirche: Schwarz-Rot-Gold. Und da geht es los. Der Streit um die Deutungshoheit. Erstaunt bin vom Präsi. Nein, nicht von Hape Kerkeling Frank-Walter Steinmeier ist es, der mich überrascht. Sonst ja eher nicht als Liberaler bekannt, gerade wenn es um Meinungsäußerung geht, sagt er die Worte, die ich unterschreibe:

„Schwarz-Rot-Gold, das sind unsere Farben! Das sind die Wahrzeichen unserer Demokratie! Überlassen wir sie niemals den Verächtern der Freiheit!“

„Lassen wir uns die Geschichte und die Symbole unserer Demokratie nicht von jenen stehlen, die kein Anrecht darauf haben.“

Gut. Denn letzteres passiert ja aktuell tatsächlich. Die Flagge des deutschen Liberalismus, der Freiheit, der Demokratie wird von Faschistenverstehern und Kaisertreuen als Symbol übernommen. Von AfD-Personal, das ohne rot zu werden das demokratische und pluralistische Vaterland an Diktatoren wie Putin und Xi verrät. 

Das sollten wir nicht geschehen lassen. Schwarz-Rot-Gold sind nicht die Farben der AfD. Da gibt es andere, besser passende Farbkombis: Kaiserliches Schwarz-Weiß-Rot: Klar. Großmäulige Feiglinge, die nach Holland abhauen, das passt. Oder Weiß-Blau-Rot, die Farben des Kriegsverbrechers Putin, den sie so sehr bewundern. Oder Rot-Gelb, die Farben des autoritären, des unfreien Chinas, sicher. Da wird es Germania schlecht.

National

Klar, es gibt auch die Abteilung, die sich für ihr Deutschsein, für die Farben des demokratischen Deutschlands schämt. Allen voran die Grünen. Das bekannte Zitat des Heizungsautoritären Habeck von 2010 lautet: 

„Patriotismus, Vaterlandsliebe also, fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland nichts anzufangen und weiß es bis heute nicht.“

Ja, er ist später zurückgerudert. Erklärte, dass er sich gegen einen ausgrenzenden Nationalismus gewandt habe und für einen anderen, offenen Patriotismus eintrete. Zur Fußball-WM sagte Habeck bereits 2010 sinngemäß, dass ihm der entspannte Fußballpatriotismus lieber sei als ethnischer Nationalismus –

„Besser Bier als Blut und Boden“.

Naja. Lummerland hat mal wieder nicht so ganz verstanden, worum es geht. Bier trinken wird der Provinzler mit dem autoritären Regierungswunsch wohl auch. Eher noch mehr als der Toskana-Grüne. 

Aber es stimmt: Schwarz-Rot-Gold steht auch für die nationale Einheit Deutschlands. Was Robert und die AfD halt vergessen: 1848 gab es gar kein Deutschland im heutigen Sinne. Deutschland bestand aus fünf Königreichen und 28 Herzog- und Fürstentümern. Deutscher Nationalismus hieß damals: Ende des Feudalismus. Dafür schwenkte Germania die schwarz-rot-goldene Fahne. Nicht für den Austritt aus der EU und der NATO. Nicht für alberne nationale Klimaalleingänge

Reichstag

Die Fahne der deutschen Einheit, Freiheit und Demokratie weht übrigens auch am Parlamentsgebäude, dem Reichstag. Permanent. 

Das ist der Reichstag. Vom Kaiser gebaut. Aktuell aber Parlament der Republik. Deswegen: Schwarz-Rot-Gold. Nicht Schwarz-Weiß-Rot

Das ist in Deutschland, natürlich, per Gesetz geregelt. Deswegen kann auch nicht jeder mal so irgendeine Fahne aus dem Fenster der Parlamentsgebäude hängen. 

Ab und zu beschließt das demokratische Haus, auch andere Fahnen zu hissen. Etwa die Regenbogenfahne. Warum nicht. Gut, ich bin jetzt kein Fan der Initiatorin dieser Aktion, Bärbel Bas. Obwohl – seit sie sich als Bikerin geoutet hat ... Politik ist kompliziert. Als Liberaler trete ich selbstverständlich für die Rechte, die Gleichberechtigung aller ein. Auch, ich hoffe ich mach da jetzt keinen Fehler, aller die sich als "queer" bezeichnen. Der Punkt ist: Es gibt viele, die anders sind, als viele andere. Ich kenne auch "queere" die sich gar nicht so wohlfühlen, wenn ständig überall Regenbogenfahnen hängen. Anderes Thema. 

"Reichstag" heißt übrigens das Gebäude. Das "Reich", in dem es gebaut wurde existiert schon lange nicht mehr. Wir leben jetzt in einer Demokratie. Das wollen nicht alle wahrhaben. Ausgerechnet, diejenigen, die am liebsten kaiserliches Schwarz-Weiß-Rot aus dem Fenster des Reichtags hängen würden, stürzen sich auf die Farben der Demokratie. Dazu müssen sie, wie so oft, die Tatsachen ein gehöriges Stück nach rechts verbiegen: "CDU verbietet SCHWARZROTGOLD am Bundestag" schreibt die AfD auf Facebook

Eine glatte Lüge. Die Populären sind beleidigt, weil sie von der Bundespolizei gerügt wurden. Also praktisch Majestätsbeleidigung witterten. Nun hatten sie gegen die Hausordnung verstoßen. Weil sie sich aus dem Fenster gelehnt hatten, mit Flaggen. Nichtmal aus dem Reichstag sondern aus den Bürogebäuden des Bundestags. 

Schwupps – schon gibt es alberne Verschwörungstheorien: 

Viele blaue Herzchen und tränenlachende Smileys. Sie sind wie die kleinen Kinder. Hilflos, unwissend aber mit Erlöserauftrag unterwegs. Man muß sie einfach gern haben.

Die Armen

Natürlich, die Anhängerschaft der Rechtsautoritären fragt nicht, ob das denn alles so stimmt. Die ist sofort auf 180, wittert den Untergang des Abendlands:

"Ein Land das seine Fahne verbietet ,hat sein Ansehen in der Welt verloren .."

schreibt einer drunter. Das stimmt natürlich. Nur ist das ja nicht passiert. Er ist den Rattenfängern auf den Leim gegangen. Ein anderer meint:

"Wie kann man die eigenen Farben nur so hassen? Es muss dringend wieder erlaubt sein, stolz in seinem eigenem Land, die eigenen Farben zu zeigen, ohne diskriminiert zu werden!"

Die Armen können einem leid tun. Sie werden für dumm verkauft und merken es nichtmal.

"Jetzt müsste jeder Bürger seine Flaggen raus hängen."

Meint ein weiterer AfD-affiner Kommentator. Und da hat sie recht, die anlasslos politisch Bewegte. Da stimme ich ihr zu.

Wir brauchen soviel Schwarz-Rot-Gold auf den Straßen wie möglich.  Als Zeichen des Bekenntnisses zu Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit in Deutschland. Als Bekenntnis zu sozialer Marktwirtschaft, zum europäischen Bündnis. Zur pluralistischen und offenen Gesellschaft. Als Zeichen der Ablehnung autoritärer, totalitärer Staatsformen.

Und natürlich für den Fall, dass Deutschland Fußballweltmeister 2026 wird.

Quellen / Links

Präsi?

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