Ungarn

 Victor Orbán war kein Liberaler, so viel ist klar.


Und natürlich bin ich froh darüber, dass in Ungarn in Zukunft hoffentlich fortschrittlichere, liberalere Kräfte regieren. Manchmal lohnt es sich, gegen den Strom zu schwimmen. Aber: ihn einfach als "Putins Liebchen" abzustempeln greift auch zu kurz. 

Opportunist

Er war – vermutlich ist er es geblieben – ist machtpolitischer Opportunist. Und dabei mehr rechtsautoritärer Populist, als einem freien Demokraten lieb sein kann. Aber: Er hat seine Abwahl aufrechtstehend akzeptiert. 

Das unterscheidet ihn von Diktator Putin, der sich ja selbst einfach per Dekret zum Herrscher auf Lebenszeit ernannt hat. Oder von Trottel Trump, der ja sofort zum Sturm des Capitol aufgerufen hatte, als er nicht wiedergewählt wurde. Von Manipulation faselte. Oder von der AfD-Führungsriege, die ja immer jammernd behauptet, andere wären Schuld daran, dass niemand ihnen eine demokratische Machtoption vor die Füße wirft. Thema "Brandmauer". Gut, die CDU ist da nicht ganz unschuldig. Anderes Thema.

und Demokrat

Klar, er gehörte deutlich zu jenen, die am "Führungsstil" Putins nichts auszusetzen hatten, solange der ihnen nur glaubhaft genug vorgaukeln kann, Russland hätte unter Putins Herrschaft wirtschaftlich was zu bieten. Im Falle Ungarns natürlich Gas und, man höre und staune: Atomkraft. Gut man muß schon sehr mutig sein, wenn man sich ein russisches Atomkraftwerk in den Vorgarten stellen lassen will. Denn: Wer etwas hinter die Fassade blickt, weiß, dass Putin die Chance zu den auch wirtschaftlich und wissenschaftlich führenden Nationen zu gehören spätestens 2008 weggeworfen hat. Seitdem versucht er  den bröckelnden Glanz seiner Herrschaft mühsam als Potemkinsches Dorf zu verkaufen – und Orbán ist drauf reingefallen. Vielleicht eben auch gegen entsprechende Gefälligkeiten aus Moskau.

Ostöffnung

Orbán setzte auf eine „Ostöffnung“ (Keleti nyitás): wirtschaftliche Kooperation mit Russland und China. Er kritisiert regelmäßig die Sanktionspolitik der EU gegen Wladimir Putin. Gleichzeitig bleibt Ungarn Mitglied von EU und NATO – ein vollständiger Bruch mit dem Westen ist nicht sein Kurs. Nun ist nichts daran auszusetzen mit Russland Geschäfte zu machen, ganz im Gegenteil. Aber eben nicht, solange sich die Russen es gestatten, Zwerg Nase vier Jahre (!) einen Überfallkrieg gegen den Nachbarn zu führen, und dabei eher bescheidene Erfolge vorzuweisen hat.

Diese "Ostöffnung" ist ja auch das, was viel Rechtspopulisten in Deutschland fordern. So als hätte es irgendjemand abgelehnt mit Russland Geschäfte zu machen - eben solange das möglich war. Eben solange Russland was zu bieten hatte, außer großspuriges Gequatsche und Großmachtshalluzinationen.

Westöffnung

Diese Politik ist gescheitert. Gegen den Strom zu schwimmen hat sich ausgezahlt. Orbans Abwahl, seine Akzeptanz, ist auch ein Sieg für die Demokratie. Das verdient Respekt.

Die neuen Machthaber in Ungarn werden sich wieder mehr dem Westen zu wenden. Also, klar: Dem, was an westlichem Bündnis nach Trump noch übrig ist. Das wird kein leichter Weg für Peter Magyar und seine Partei TISZA. Immerhin: Mit ~55,8 % der Stimmen und einer Zweidrittelmehrheit hat er viel Zustimmung, viel Vorschussvertrauen hinter seiner Politik. Er muß nun liefern. Heißt: den verlorenen wirtschaftlichen Boden wieder gut machen.

Quellen und Links

Früher Absturz
Wahlausgang 2026 in Ungarn

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