Bildungsproblem: Geld

 Ehrlich, ich gehöre nicht zu den Kultur- und Bildungspessimisten. Nicht zu denen, die von Viertklässlern erwarten, dass diese fehlerfrei einen Kafka-Roman interpretieren können. Aber.


Auch stimme ich nicht mit ein, in den ewig gleichen Kanon

„Der Schüler hört nicht auf seinen Lehrer. Er vernachlässigt seine Aufgaben. Er spricht, wenn er schweigen soll. Er achtet die Ordnung der Schule nicht.“

Diese Klage stammt aus dem babylonisch-sumerischen Text "Schooldays (Sumerisch: Edubba’a) und ist gut 4.000 Jahre alt (ca. 2100–1800 v. Chr. - Ur-III-Zeit / Isin-Larsa). 

Immer diesselbe Leier

Bitte überlegen Sie sich, wieviele Eltern / Lehrer Generationen seit dem immer das gleiche über ihren Nachwuchs gesagt haben. Und sich ja offensichtlich nichts geändert hat? Oder anders: Da Sie ja ein Musterschüler waren, wissen sie das natürlich. Ich nicht, ich hab nachgesehen: Es waren etwa 130. Oder 160. Je nach dem. Es gibt unterschiedlich, wissenschaftlich jeweils begründete Sichtweisen darüber, was "eine Generation" ist. Das wußten Sie nicht? Sie dachten das wäre eine rhetorische Aufgabenstellung? Es gäbe nur eine Antwort? Es geht bergab.

Ich fühle mit dem sumerischen Schüler. Warum sollte er nicht sprechen? Das ist es was mündige Bürger tun. Nicht nur das wiedergeben, was einem vorgekaut wird. Nicht still dasitzen und zuhören - Machen heißt der Drachen. Ich meine: Schulbildung muss am Ende dem Schüler gefallen. Nicht den Lehrern und nicht den Eltern. Die sind Geschichte. Eine Generation zurück. Und das passiert ja auch. Ich weiß, dass Schule sich bemüht, sich wandelt, sich weiterentwickelt. Und, ich weiß was Sie denken: 

"Der spinnt doch. Schule die dem Schüler gefällt? Was ist mit dem ganzen Wissen? Deutsche Dichter und Denker, Wissenschaftler, Ingenieure! Soll das alles umsonst gewesen sein? Das muß doch weitergegeben werden!! Die Chinesen können alle perfekt Geige spielen und unsere Kinder verblöden!!"

Wer sich nicht bewegt, geht unter

Nur kein Druck aufbauen. Unsere Kinder können nicht alles leisten - Unsere Rente verdienen UND gute Schüler sein. Der Blick auf Bildung muß sich wandeln. Bemerkenswert finde ich etwa den Schritt in Niedersachsen und Bremen das schriftliche Dividieren aus den Lehrplänen der Grundschulen zu verbannen. Die verantwortlichen Ministerin und der Senator gehören den Grünen und der SPD an. Eine politische Gruppe, die mir zumindest immer wieder mit erstaunlichen, teilweise katastrophalen Bildungslücken auffällt. Nicht nur deshalb betrachte auch ich wirklich jede Entscheidung aus der linksgrünen Ecke mit großem Argwohn. Konservative Kulturpessimisten wittern ohnehin den Untergang des Abendlandes. Philologenverband, Metallarbeitgeber und Lehrerverbände sind entsetzt.

Aber - Mathematiker sind sich einig: Kann weg. Es ist wie immer: Niemand würde behaupten, dass es nicht schön wäre, wenn jeder schriftlich dividieren könnte. Aber es gibt halt tausend andere Sachen, die man auch können sollte. Da muß das ein oder andere halt ab und an mal über die Klinge springen. Es lernt ja auch niemand mehr Keilschrift. Es gibt inzwischen Papier und Tinte. Und Taschenrechner. Zitat

"Norma Grube, Direktorin an der Heinrich-von-Treba-Oberschule im sächsischen Marienberg bringt es ziemlich knackig auf den Punkt: "Was wir brauchen, ist mehr KI, weniger Kaulquappe". Damit irritiert sie schon mal den einen oder anderen Kollegen. Norma Grube ist FDP-Mitglied, engagiert sich im Bundesfachausschuss Bildung und findet die aktuellen Lehrpläne hoffnungslos überaltert."

Wir haben ein Bildungsproblem

Jo, alles OK. Weiter so. Darum gehts mir nicht. Wir haben ein grundsätzlicheres Bildungsproblem. Ich meine, es ist nicht die Frage, ob irgendwer noch Sütterlin schreiben kann, weiß wie lange eine Generation ist oder alle deutschen Regeln zur Kommasetzung auswendig kennt. Nicht Pisa. Nicht Auswendiglernen. Es wird zuwenig eigenständiges Denken gelehrt. Wir entlassen Generationen von Schülern aus den Schulen, die alles glauben, was ihnen irgendwer vorbetet. Ich darf erneut zitieren (mich selbst, aber immerhin):

"Viel wichtiger als Rechtschreibung und Schönschrift ist es, unseren Kindern wieder beizubringen, dass sie Verantwortung tragen, für sich selbst und die Gesellschaft. Dass (Rechtschreibfehler!!) wir ihnen beibringen, dass es NICHT so ist, das ihr Leben, ihr individuelles Streben nach Glück vorbestimmt wäre, durch einen Staat, der alles weiß, alles kann und alles Geld verteilt. Sondern, dass sie selbstbestimmte Individuen sein können."

Unsere Schuldbildung vermittelt zu einseitig das Prinzip, dass man nur Teilaspekte der Welt verstehen müßte, um das ganze Bild zu sehen. Gutes Beispiel: Das eindimensionale Gequake der jungen Klimakatastrophenapologeten. 

Bitte. Zum tausendsten Mal: Ja, wir haben ein Problem. Ein großes. Aber wir lösen es nicht mit Gejammer. Nicht in Deutschland. Nicht alleine. Nicht indem wir Luisa Neubauer aus der Antarktis mit ihrem unterkomplexen Klimagewäsch und ihrem Angstaktionismus auf die Schüler loslassen. Gut, ok, kann man mal machen, genauso wie Haftbefehl ins Klassenzimmer einzuladen. Aber das Problem der Bildung ist doch der fehlende Fokus auf Persönlichkeitsentwicklung. Nicht Pisa. Es ist ja nicht nur die Aufgabe, einer Breitenbildung, Genies (weniger freundlich ausgedrückt: Inselbegabte), wie Newton, Einstein, Curie oder Turing zu erzeugen. Oder eben die mentale Fehlentwicklung zu fördern, sich dafür zu halten. Nicht nur Wissen, sondern auch Erkenntnis, die Grundlage dafür, die Fähigkeit zur Abstraktion müssen vermittelt werden. 

Naivität was Geld anbetrifft

Was mir aber allenthalben begegnet, ist eine schlicht erstaunliche Naivität was Geld, was Volkswirtschaft angeht. Ja, ich bin auch kein Fachmann und: ja, man kann natürlich unterschiedliche politische Ansichten haben, wie eine Volkswirtschaft zu regulieren sei. Ob es überhaupt eine geben sollte, oder ob eben Planwirtschaft, angebotsorientierte Wirtschaft das richtige Konzept sei. Man kann darüber diskutieren, ob die MMT nun kompletter Schwachsinn ist oder nicht. 

Aber, das ist was anderes, als das tiefe Unverständnis, die unglaubliche Abstraktionsschwäche darüber, was "Geld" überhaupt ist. Nicht wenige sind der festen Überzeugung, dass Geld halt gedruckt wird und fertig. Klar, auch das stimmt: Manche haben einfach ein Problem mit den Grundrechenarten. Da gehts los: 

Um Faktor 16.000 verrechnet? Ironie? Man darf zweifeln


Milliarde mit Quadrillionen verwechselt. Kann passieren. Führt aber nicht zu Reichtum.

Lustig oder? Vielleicht. Nein, darum gehts nicht. Das ist nicht mein Punkt.

Umverteilung

Einige von denen, die dann doch Punkt und Strichrechnung beherrschen, oder, wie ich, einen Taschenrechner bedienen können, halluzinieren auf der nächsten Stufe weiter: Sie glauben, ein volkswirtschaftliches Vermögen wäre eine feste Größe und die Aufgabe der Politik sei lediglich deren Verteilung. Also die Leugnung oder das Nicht-Wissen um das Prinzip der Mehrwertschaffung, des Wachstums. Was erstaunlich ist, denn jeder von uns bezahlt ja ständig Mehrwertsteuer. Das deutsche "Allphasen-Nettosystem mit Vorsteuerabzug" sollte nicht nur jedem bekannt sein; es sollte eigentlich keinen Zweifel daran lassen, dass sich Geld durch Wirtschaft vermehrt. Jeder hat jeden Tag damit zu tun. Dennoch wird das bestritten, dazu mehr später.

Die politische Konsequenz aus der Leugnung des Mehrwertprinzips ist das Umverteilungsprinzip. "Tax the rich" oder, genauer: "Tax alle, die Mehrwert schaffen" ist der verbale Ausdruck. Und es gibt eine Steigerung: Zu glauben Umverteilung an sich würde Mehrwert schaffen. Nur um das zu illustrieren: Das ist die Prämisse mit der aktuell in Deutschland Politik gemacht wird:

Bundeshaushalt 2025. Reine Umverteilung.

Sicher: Das sind nur Zahlen. Menschliche Schicksale sind was anderes. Aber es ist Fakt, dass der Bund im Jahr 2025 190 Milliarden EUR für Arbeit und Soziales aufwendet. Etwa 40 Prozent des Gesamthaushaltes. Und die Kosten der Schulden des Bundes schon jetzt höher sind als der Etat des Ministeriums für Forschung und Technologie. Oder für Bildung. Klar, wenn man der Meinung ist, dass Geld und Arbeitsleistung des Bürgers was unterschiedliches sind, wenn man hofft das Geld vom Himmel fällt, ist das kein Problem. Auch nicht alles auf Pump zu bezahlen. Aber ist das richtig?

Fällt Geld vom Himmel?

"Albern" werden Sie denken. Ja, klar, Physik, Newton und so. Wobei: Creatio ex nihilo wird auch für Nicht-Gläubige wissenschaftlich immer erschwinglicher ... Anderes Thema.

Gemeint ist natürlich die entscheidende Frage nach dem Wert des Geldes. Da spielt es schon eine Rolle, ob man glaubt, dass dieses halt einfach nur "gedruckt" wird. Machen sich alle klar, die es sollten, dass das Geld selbst zwar einigermaßen wertloses Papier ist, aber einen "externen" Wert hat? Nein, damit meine ich nicht die volkswirtschaftliche Unterscheidung zwischen Kaufkraft und Devisenhandel. Sondern schlicht die Unterscheidung zwischen Materialwert und Nennwert. Nein, die äquivalenten Zahlen auf dem Konto der Sparkasse sind im Gegensatz zum Bargeld keine echte Verbindlichkeit gegenüber der EZB. Noch nicht. Bitte verstehen Sie mich richtig: Immer noch besser auf dem Konto als im Keller. Anderes Thema. Wichtig: Geld hat einen konkreten, einen realen Wert. Einen anderen, als den Wert des Papiers oder des elektronischen Banksystems. Das sind nur Schatullen. Einen Wert, der auf gesellschaftlichen Normen und Regeln basiert. Der sich ändert. Einen Wert, der Ihnen gehört. Den Sie sich erarbeitet haben. Der von uns Bürgern erwirtschaftet wird, werden muss. Im Falle des Bundeshaushaltes bedeutet das, dass er aus der verstaatlichten Arbeitsleistung von uns, den Steuerzahlern besteht. 

Ist das wirklich so? InflationCreatio ex nihilo?

Das ist die Frage: Wollen wir die Mitglieder von Science & Astronomy auf Facebook und die Grünen in dem Glauben lassen, dass Geld vom Himmel fällt? Dass, wenn man einen Asteroiden bergen könnte, der Edelmetalle im Wert von 700 Quintillionen (entspricht vermutlich der deutschen "Trillionen" = 10^18) Dollar beinhaltet, man damit jeden auf der Erde zum Milliardär machen könnte? 

Ein solcher Asteroid wurde noch nicht entdeckt. Der Mythos entstand vermutlich um den tatsächlich existierenden Asteroid Psyche 16.  Die Nasa nimmt an, dass er zu 30 bis 60% aus Nickel und Eisen bestehen könnte - zusammen mit den Spuren von Gold, Platin und Iridium die mit der vermuteten geologischen Vergangenheit des Brockens einhergehen. Und auch wenn eine Erkundungsmission zu dem etwa 3 AU entfernten kosmischen Klotz geplant ist - die bergbauliche, die wirtschaftliche Ausbeutung eines solchen Asteroiden ist selbstverständlich noch Science Fiction. 

Dennoch: Gebildete wissen, nein können es aus dem Offensichtlichen ableiten, abstrahieren: Abgesehen von den Fakten gibt es trotzdem schlechte Nachrichten für Die Linke: Das Gegenteil von weltweit gleich verteiltem Reichtum würde eintreten, würde der Goldeorit vom Himmel fallen: Sämtliche vorhandenen Edelmetall-Vermögen wären schlagartig wertlos. Auch Gold ist nur soviel wert, wie ein Käufer bereit ist dafür zu zahlen. Und wenn das Zeug auf der Straße liegt, ist das wenig. Die schlimme Nachricht bleibt: Der Wert des Geldes muss erarbeitet werden. Es ist der Wert der Arbeit, der Leistung. Des Bürgers Arbeit und Leistung.

Kein Wunder

Es gibt keine Wunder. Schon gar nicht beim Geldkreislauf. Kein Wunder also, dass ich Erbschafts- und Schenkungssteuer für Raub halte:


Mein Artikel: Erbschaftssteuer ist Raub auf Threads

Die Kommentare sind lesenswert, wirklich. Ich meine, das Übliche halt auf sozialen Medien. Bildungsmäßig eher schlicht gehalten. Sofort und unmittelbar ad hominem. Vom Thema selbst unabhängig, frei von Sachzusammenhängen irgendwelcher Art. Aber vermutlich aus vollem Herzen. Top!




Und: Offenes Proletentum ist mir persönlich viel näher, als inhaltsleeres Geschwafel. Lesen Sie selbst: Das Gegenargument von "Reduceconfidence", nach eigenem Bekunden Mitglied bei den Linken, gegen meine Behauptung Erbschaftssteuer wäre Raub ist: "Geldkreislauf". Punkt. Das wars. "Lernt man in der Unterstufe". Jaaaa. Schriftlich Dividieren nun nicht mehr. Aber lernt man auch seine Gedanken zu artikulieren?


Vielleicht nicht. Denn: Ist das nicht ein bisschen wenig? Erfasse ich einfach nur die Tiefe des Gedankens nicht? Oder ist es das wonach es aussieht: Erschütternd? Ich meine, ich erwarte, ich hoffe, dass mir irgendwann ein Linker, die SPD oder die CDU erklärt, warum Schenkungs- und Erbschaftssteuer mehr als nur staatliches Raubrittertum sein sollte. Aber das? Gut, auf Nachfrage kommt sie dann, die Erlösung:


Also doch: Das Geld fällt vom Himmel. Halleluja! Deutschland hat ein Bildungsproblem. Oder ist es halt einfach so? Ich bitte um volkswirtschaftliche Aufklärung.

Quellen / Links

Mathias - Pisa ist nicht lustig
Wikipedia - Die Sumerer meinten es ernst
Wikipedia - Generation. Ohne Witz
ZDF - Keine schriftliche Division mehr. Lustige Reaktionen
Mathias - Freie Demokratie ist emergent, kein Witz.
Mathias - Darf man sich über "das Klima" lustig machen?
Deutschlandfunk - Luisa Neubauer ist lächerlich
Hessenschau - Deutschrapp ist doch etwas albern
BPB - MMT, LoL
Wikipedia: Kein Witz: Mehrwert gibts wirklich
Facebook - Vermutlich ernst gemeint aber Rechenschwäche. Umverteilung
Bund - Kein Spaß - 40 Prozent Sozialausgaben
Mathias - Die Schuldenbremse war kein Witz, Friedrich
Mathias - Religion ist oft auch Unfug
Caroll - Quantenfelder sind kein Spaß
Mathias - Zahlt gern mit Uhr, ohne Witz
ZDF - Sicherheitsvorkehrungen waren wohl ein Witz?
Facebook ist manchmal echt witzig
Mathias - Der Markt ist nicht immer lustig. Aber nützlich.
Nasa - Kein Witz, die fliegen ins All
Die Linke - Immer wieder lustig
Mathias - Ist das deutsche Steuersystem ein Witz? Ich meine: Ja
Threads - Da fällt mir nix mehr ein
Muß man aushalten. Alles eine Frage des Standpunkts.


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