Blues
Scheiße, ist das heiß. Warum gibt es eigentlich keinen deutschen Hitzeaktionstag?
Nur Spaß. Ich muss mich aufheitern, denn bei der Hitze ist alles trist. Wobei ich bei klimatisierten 21 Grad im Haus eigentlich keinen Grund zur Beschwerde habe. Ich hoffe nur, dass niemand aktuell Wetter mit Klima verwechselt. Smiley. Nein, es bleibt dabei – deutsches Spießertum hilft nicht gegen globale Klimaprobleme. Französisches übrigens auch nicht.
Noch ganz dicht?
Kein Spaß. Im Land, das die Revolution nicht erfunden, aber zur Staatsfolklore erhoben und den Weingenuss kultiviert hat gibt es Alkoholverbote wegen Hitze. Das sind ja feudalistischere Zustände als in Deutschland. Jedenfalls, wenn es um Hitzeaktionismus geht. Es sind regionale, temporäre Verbote, aber bitte: Ich glaub mein Schwein pfeift? Der Staat schießt mal wieder übers Ziel hinaus.
Gut, man hat leicht reden, wenn man im klimatisierten Haus sitzt. Trotzdem: Der französische Bürger wird schon selbst entscheiden können, ob es sinnvoll ist, sich bei über 40 Grad auf einem Musikfestival die Rübe mit schwerem Roten zuzuhauen. Ob alternativ ein gekühlter Pastis unter der Dorflinde indizierter wäre. Oder nicht. Der Staat ist nicht unser Erziehungsberechtigter. Ich hab gar keinen mehr, seit ich vor kurzem 60 wurde. Das demokratisch gewählte Kabinett ist nicht dazu da, mir zu erklären, was gut für mich ist und was nicht. Genausowenig wie nachgeordnete Verwaltungsinstanzen. Ich glaub es hackt. Staatliche Aufgabe sollte es sein, wirksame Wege gegen die anthropogene Steigerung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre zu finden. Global.
Da, das muss man dann an der Stelle anerkennen, ist Frankreich deutlich weiter als wir. Dort entsprechen die CO₂-Emissionen pro erzeugter kWh Strom nur etwa einem neuntel der deutschen. Und, bitte nicht vergessen: Das deutsche Bundesgesundheitsministerium, die Ministerin Nina Warken blieb nicht untätig und empfahl 2025, der Deutschlandfunk fasste das so zusammen:
"Sportvereine sollten sich wegen des Klimawandels stärker auf Hitze einstellen und „nicht mehr grillen und keinen Alkohol anbieten“."
Da könnt ich kotzen. Also, nicht wegen eines Hitzschlags oder exzessivem Alkoholkonsum. Nicht weil der Rat, sich bei Hitze nicht zu besaufen, gar nicht so schlecht ist. Sondern, weil sich der Staat sich um meine Aufgaben kümmert, anstatt um seine. Und mir hilflos, nutzlos und aktionistisch auf den Sack geht.
Man stelle sich vor, in China bräche ein Virus aus mit dem Potential eine weltweite Pandemie auszulösen. Man wagt sich kaum vorzustellen, wie schnell der Bundesgesundheitsminister die Demokratie im Namen des Aktionismus vergessen könnte.
Impotenter Staat
Ach, Mist, das ist ja tatsächlich passiert. Na ja.
Ich muß mir jetzt ne neue Klimaanlage, vulgo Wärmepumpe kaufen. Meine, die ich aktuell selbstverständlich CO₂-frei aus den ebenfalls auf dem Dach befestigten Solarmodulen mit Fusionsstrom versorge, leistet mir jetzt seit gut 23 Jahren treue Dienste. Ja, so lange hab ich das Ding schon, und auch damals war es schon im Sommer zu warm unter dem Dach. Das ganze staatliche Theater seitdem hat ja offensichtlich nichts genutzt. Seltsam, dabei waren doch alle so zuversichtlich, dass es kühler würde, wenn man dem globalen Klima laut "EINSKOMMAFÜNF" zuruft. Hat nicht geklappt.
Dem Himmel sei Dank
Übrigens: Deutsche Gesetzeslage bei der Klimatisierung des Wohnraums ist nach wie vor das Heizungsgesetz der Ampel. Nicht, dass das irgendwas an der Situation, schon gar nicht der globalen, ändert. Aber es demonstriert eben, wie handlungsunfähig der Staat geworden ist. Insbesondere unter der Regierung Merz.
Der ja vor seiner Wahl angekündigt hatte, das Gesetz abzuschaffen. Gut, wie oft hört man in letzter Zeit ein Aufatmen darüber, dass die Regierung, der Verwaltungsapparat – sei es der deutsche, der französische oder derjenige der EU – eben gar nichts mehr macht. Das ist immer noch besser als alles falsch zu machen, so wie Spahn und Lauterbach während der Corona-Pandemie. Oder eben Habeck, beim Heizungsgesetz. Das ist bedauerlich.
Wichtiger wäre es, Ideen zu entwickeln, wie man den Energiehunger von 8 Milliarden Menschen in Zukunft CO₂-ärmer stillt, als wir das in der Vergangenheit getan haben. Natürlich macht das nicht der Staat. Der deutsche nicht, die EU schon gar nicht. Um Himmels Willen. Aber er könnte wenigstens aufhören, diejenigen, die sich darum kümmern, in ihrer Arbeit zu behindern.
Klar, nicht Apple wird die Welt retten. Aber die EU wird es auch nicht. Jedenfalls nicht die technikfeindliche EU. Nicht die EU die nur Bürokratiemonster züchtet. Eine EU, die glaubt besser zu wissen, als ihre Bürger, welche Telefon-Schnittstellen sie zu verwenden haben.
"Wegen der Interoperabilitätsanforderungen der EU-Kommission hat Apple bislang darauf verzichtet, iPhone Mirroring in der Europäischen Union einzuführen."
Also, klar, iPhone Mirorring ist jetzt kein technologischer Gamechanger. Nichts, womit die Welt gerettet wird. Aber mal ehrlich – wie soll denn ein EU-Wasserkopf, der nichtmal in der Lage ist, regulatorisch mit so was zurechtzukommen, in der Lage sein, die Welt zu retten?
Ich bin überzeugter Europäer. Aber wir brauchen eine handlungsfähige, eine pragmatische EU. Wir brauchen keine Symbolpolitik. Tu was, Uschi. Also was anderes, außer verbieten.
Quellen / Links
Mir ist kalt
Denen ist heiß
Die hat keinen Bock zu grillen
Ich will heizen,
mein IPhone spiegeln,
und irgendwo anschließen
.png)

Kommentare
Kommentar veröffentlichen